Bücher · Finnland · Skandinavien

Finnland literarisch

Das Buchmessen-Gastland dieses Jahres war mir, obwohl ich 2009 für ein Auslandssemester in Schweden war, bisher nur vage bekannt. Es war eines dieser Länder, mit denen ich mich leider noch nie genauer auseinander gesetzt habe. Umso sonderbarer, dass Finnland jetzt, nachdem ich zwei Bücher von jungen finnischen Autorinnen gelesen habe, eine derartige Sogwirkung auf mich ausübt. Ich habe tatsächlich versucht ein wenig Finnisch zu lernen. Bisher kann ich bestätigen, dass die finnische Sprache sehr komplex und, da sie keinen indogermanischen Ursprung hat, dem deutschen Ohr sehr fremd ist. Ich werde mich aber von den 15 Kasus erst einmal nicht abschrecken lassen. Allein schon, weil bei den Einheimischen in Lappland die Rentierpinkelstrecke (finnisch poronkusema) ein Entfernungsmaß ist, d.h. die Strecke, die ein Rentier laufen kann, ohne zum Urinieren stehen bleiben zu müssen. 🙂 Oder auch, weil die Finnen als Verballhornung Hitlers den Begriff „hilleri“ verwendet haben, was auf Deutsch ziemlich treffend „Iltis“ bedeutet.

Nun aber zu den beiden Büchern: Das erste Buch aus Finnland, das ich gelesen habe, war „Der Geschmack von Wasser“ von Emmi Itäranta – ein postapokalyptischer Jugendroman. Die uns bekannte Welt ist im Wasser versunken und den Überlebenden nur noch vage als „Alte Zeit“ in Erinnerung. Zurückgeblieben sind rätselhafte Gegenstände auf einer Mülldeponie, deren Funktion sich die Hauptfigur Noria und ihre beste Freundin gemeinsam zu erschließen versuchen. Das Trinkwasser ist knapp und zum höchsten Gut geworden. Das herrschende Militär überwacht den Wasserverbrauch und straft Verstöße erbarmungslos. Norias Vater hält als Teemeister an den Relikten der untergegangenen Kultur fest und hütet ein gefährliches Geheimnis: Er verfügt über Zugang zu einer geheimen Wasserquelle, die ihn und seine Familie mit zusätzlichem Wasser versorgt. Als die Familie ihrer Freundin Sanja mehr und mehr unter der Wasserknappheit leidet, entschließt sich Noria das Familiengeheimnis zu teilen. Und setzt damit eine verhängnisvolle Ereigniskette in Gang. Bildhaft und sehr atmosphärisch ersteht dieser Nicht-Ort im dystopischen Finnland vor dem inneren Auge. Die Landschaft der Fjälle, Moore und Quellen eignet sich wunderbar als Schauplatz der Geschichte und löst bei mir trotz der apokalyptischen Umstände Sehnsucht aus.

Mein zweiter Roman war „Wildauge“ von Katja Kettu und hat mir nach der Atmosphäre und dem Lebensgefühl auch die Geschichte des Landes nähergebracht. Da es bisher mein literarisches Highlight dieses Jahr war, werde ich zu diesem Buch hoffentlich noch eine ausführlichere Rezension schreiben, die dann hier zu finden ist.

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