Bücher · Literarische Reisen · Literatur

Salzburg literarisch

Mein Mann und ich haben unseren ersten Hochzeitstag in Salzburg verbracht. Wir haben die Festung Hohensalzburg erklommen und den Ausblick genossen, waren im Domquartier und beim Mozart Geburtshaus, haben ein Stiegl-Radler im Café Tomaselli am Alten Markt getrunken, waren im Rosengarten von Schloss Mirabell und auf dem Altstadtfest „alles tanzt“ in der Linzer Gasse.

Mein Mann ist es längst gewohnt, dass ich unsere Reiseziele auch literarisch begehe. Diesmal war ich aber leider nicht so gut vorbereitet. Ich hatte nur einen Band mit Erzählungen von Stefan Zweig im Gepäck. Zum Glück sind wir aber auf eine schöne Buchhandlung mit antiquarischen Büchern gestoßen – die glaube ich einfach „Bücher und Papier“ hieß. Der Inhaber war sehr sympathisch, hat uns die Geschichte der Buchhandlung erzählt und war untröstlich, dass er auf Anhieb keinen Band von Thomas Bernhard für mich finden konnte.

Am nächsten Tag bin ich noch einmal zurück in die Buchhandlung und habe mich erneut auf die Suche begeben. Zu meiner und der Freude des Buchhändlers bin ich dann doch noch fündig geworden. Somit hatte ich dann doch ausreichend Lektüre:

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Eine liebe Studienfreundin von mir war großer Bernhard-Fan.  Ich selbst hatte bis auf ein paar Seiten aus einer biografischen Schrift – ich weiß leider noch nicht mal mehr welcher – noch nichts von ihm gelesen. Die Zeit war für mich also gekommen, das endlich zu ändern.

Als Einstieg in das Werk von Thomas Bernhard eignen sich die beiden Bände „Die Ursache“ und „Ein Kind“ glaube ich ganz gut.

In „Ein Kind“ erzählt der Autor von seinen ersten 13 Lebensjahren, insbesondere der Zeit in Traunstein, dem Aufwachsen ohne Vater, den Konflikten mit seiner Mutter und der Verehrung seines Großvaters, einem erfolglosen Schriftsteller. Der Band ist der letzte der fünf autobiografischen Schriften von Thomas Bernhard. Der Band „Die Ursache“ ist der Auftakt der Reihe, in dem Thomas Bernhard auf seine Schulzeit in Salzburg und das Verlassen der „Geistesvernichtungsanstalt“ mit 15 Jahren eingeht.

Während ich „Ein Kind“ sehr schnell gelesen hatte – teilweise habe ich meinem Mann auf der Autofahrt daraus vorgelesen – , war die Lektüre von „Die Ursache“ doch sehr zäh. Bernhard wettert ununterbrochen und das war mir für den Moment irgendwann zu anstrengend, obwohl ich mich sonst gerne auch mal durchquäle. Mich würde der Band „Der Keller“ viel mehr interessieren, indem er seine Lehrjahre bei einem Lebensmittelhändler beschreibt, die er aufgrund einer schweren Lungenentzündung abbrechen musste (von seiner Nahtoderfahrung ist im Band „Der Atem“ zu lesen). Ich versuche aber Neuanschaffungen für eine Weile zu vermeiden und erst mal die Bücher zu lesen, die ich ohnehin zuhause habe. Ich nehme mir fest vor, später wieder zu Thomas Bernhard zurückzukehren.

Zum Schluss noch ein kurioser Fakt zu Thomas Bernhard: Die Hassliebe zu Salzburg und Österreich ging soweit, dass er über eine testamentarische Verfügung Nachdruck und Veröffentlichung seiner Werke in Österreich verbot. 7 Jahre nach seinem Tod 1989 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Bernhard stieß seine Landsleute aber mit seiner Ablehnung so vor den Kopf, dass es eine ganze Weile gedauert hat, bis sein Wirken in der Stadt sichtbar gemacht wurde.

Während Georg Trakls Gedichte überall zu finden sind, erinnert nur diese eine Tafel am Landestheater an Bernhard:

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Tafel mit Gedicht von Georg Trakl im Park von Schloss Mirabell

Mehr zu Thomas Bernhard erfahrt ihr vom Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki in einer Aufzeichnung der Sendung Lauter schwierige Patienten.


Book Kook

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